Hintergrund
Rezidivierende Harnwegsinfektionen (rHWI) betreffen etwa ein Viertel aller Frauen mit vorausgegangener Harnwegsinfektion und stellen aufgrund häufiger Antibiotikatherapien sowie zunehmender Resistenzentwicklungen ein relevantes klinisches Problem dar. Die Studie untersucht den probiotischen Stamm Escherichia coli Nissle 1917 (EcN) als mögliche nicht-antibiotische Präventionsstrategie bei prämenopausalen Frauen mit rHWI.
Methodik
- Prospektive kontrollierte monozentrische Studie
- Einschluss von 40 prämenopausalen Frauen mit rezidivierenden unkomplizierten Harnwegsinfektionen
- Definition rHWI: ≥3 Episoden im vergangenen Jahr oder 2 Episoden in den letzten 6 Monaten
- Akuttherapie zunächst mit Fosfomycin (1×3 g über 2 Tage) gemäß Leitlinien mit abschließender Kontrolle innerhalb von 10 Tagen
- Randomisierung der als geheilt eingestuften Patientinnen in zwei Gruppen:
- EcN-Gruppe (n=20): orale Prophylaxe mit E. coli Nissle 1917 über 12 Wochen
- Kontrollgruppe (n=20): keine Prophylaxe
- Gesamte Nachbeobachtungszeit: 6 Monate
Ergebnisse
- 55 % der Patientinnen in der EcN-Gruppe blieben während der Nachbeobachtung rezidivfrei, in der Kontrollgruppe waren nur 35 % rezidivfrei nach 6 Monaten
- ≥2 Rezidive traten auf bei:
- 35 % der EcN-Gruppe
- 50 % der Kontrollgruppe
- Nur ein Rezidiv trat auf bei:
- 10 % der EcN-Gruppe
- 15 % der Kontrollgruppe
- Es wurden keine therapieassoziierten Nebenwirkungen berichtet
Schlussfolgerung
Die prophylaktische Anwendung von E. coli Nissle 1917 zeigte in dieser Pilotstudie eine potenzielle Wirksamkeit zur Reduktion rezidivierender Harnwegsinfektionen bei prämenopausalen Frauen. EcN könnte daher eine vielversprechende antibiotikasparende Präventionsstrategie darstellen.