Hintergrund
Bei Alzheimer-Patienten ist die Darmbarriere oft gestört, sodass bakterielle Bestandteile wie Lipopolysaccharide (LPS) leichter in den Blutkreislauf gelangen. Dies fördert systemische Entzündung und oxidativen Stress, die wiederum zur Neurodegeneration beitragen können. Probiotika wie Escherichia coli Stamm Nissle 1917 (EcN) sind bekannt für ihre Fähigkeit, die Darmbarriere zu stabilisieren und entzündliche Prozesse zu modulieren.
Methodik
Design: Randomisierte, doppelblinde, Placebo–kontrollierte Studie mit 40 Patienten mit leichter Alzheimer-Demenz, 39 beendeten die Studie (20 EcN, 19 Placebo).
Intervention: 6-wöchige Gabe von EcN (2,5–25×10^9 KBE/Kapsel, 2× täglich) vs. Placebo.
Primärer Endpunkt: Veränderung der Serum-LPS-Spiegel (Marker für bakterielle Translokation).
Sekundäre Endpunkte:
- Zonulin (Marker der intestinalen Permeabilität),
- sNOX2-dp und H₂O₂ (oxidativer Stress),
- TNF-α (systemische Entzündung),
- Mini-Mental-State-Examination (MMSE, Kognition).
Ergebnisse
Die Behandlung mit EcN führte zu einer deutlichen Stärkung der Darmbarriere. Der Zonulinspiegel sank um 35 %, und die LPS-Spiegel reduzierten sich um 15 %. Diese beiden Veränderungen korrelierten signifikant miteinander, was darauf hinweist, dass EcN die Permeabilität des Darms senkte und dadurch weniger bakterielle Bestandteile in den Blutkreislauf gelangten. Parallel dazu gingen die Marker für oxidativen Stress und Entzündung zurück: die NOX2-Aktivität nahm um 21 %, H₂O₂ um 27 % und TNF-α um 18 % ab. Auch die kognitive Leistung zeigte eine leichte Verbesserung, der MMSE stieg von durchschnittlich 22,5 auf 23,8 Punkte. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet, und die Therapietreue war hoch.
Schlussfolgerung
Die Behandlung mit E. coli Nissle 1917 führte bei Alzheimer-Patienten zu:
- gestärkter Darmbarrierefunktion (gesenkte Zonulin- und LPS-Werte),
- reduziertem systemischen oxidativen Stress und Entzündung,
- einer leichten kognitiven Verbesserung.
Die Autoren schließen daraus, dass EcN die Darmbarriere stabilisieren und endotoxinbedingte Entzündungsvorgänge abmildern kann. Diese Effekte könnten über den Darm-Hirn-Achsen-Mechanismus auch für die Neuroprotektion relevant sein. Allerdings ist die Patientenzahl klein, und größere Studien sind erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen.